Zwei Ex-Gemeinderäte und der Anstand in der Politik

01. Oktober 2018

Miesbach – Natascha Kohnen, die SPD- Spitzenkandidatin zur Landtagswahl und der HaushamerErfolgsregisseur „Rosi“ Marcus H. Rosenmüller waren zu Gast bei der örtlichen Landtagskandidatin Verena Schmidt-Völlmecke. An die 80 Besucher hatten im Waitzinger Gewölbekeller Platz genommen, um „Rosis“ und Kohnens Gespräch zu folgen.

Interessante Parallelen ergaben sich, denn beide, bereits kommunalpolitisch im Gemeinderat aktiv waren sich einig: Politik funktioniert zu 80% nur miteinander. Die beiden erzählten aus ihrem Leben: M. Rosenmüller vom freien Leben als Bub einer Supermarkt-Kassiererin in Hausham, dessen Leibspeise Kartoffelsuppe mit Maggikraut war. Kohnen als aufmüpfiges Kind von gebildeten 68-er Eltern in der Münchner Maxvorstadt. So unterschiedlich ihre Kindheit verlaufen ist, so sehr gleichen sich ihre Auffassungen zu wichtigen politischen Fragen heute. Für beide ist Bildung und Schule ein herausragendes Thema: Für Rosenmüller, der seine Lehrer lobte, sagte aber ebenfalls: „Die Schule war Freiheitsberaubung“. Für Kohnen, die ihrem Schuldirektor heute noch dankbar ist, dass er sie per Bus mit ihrer Klasse nach Wackersdorf schickte, um selbst zu sehen, was sich dort abspielt: Hubschrauber, Polizisten, CS-Gas – und damit ihr politisches Interesse geweckt hat.

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Von links: Natascha Kohnen, Marcus H. Rosenmüller, Verena Schmidt-Völlmecke (SPD- Landtagskandidatin),Tim Roll (SPD-Bezirkstagskandidat) Foto: privat

Beide bekamen ihre politische „Grundausbildung“ im Gemeinderat: Kohnen in Neubiberg, Rosenmüller in Hausham. Daran erinnert sich der „Rosi“ heute noch gern: „ Ich habe gemerkt, dass ich da etwas gestalten kann. Man hat sich respektiert und zugehört und miteinander geredet. Konkrete Politik.“ Für Natascha Kohnen war es das Sprungbrett in den Landtag. Und beide machen sich Gedanken über die Sprache in der Politik.

„Asyltourismus“ - Das ist das Mieseste, was es bisher an Wortwahl gab“, sagte Kohnen und schüttelt den Kopf. Rosenmüller bemerkte: „Mit Alois Glück – da war Diskussion möglich, mit Söder nicht, denn wenn ich den anhöre: Authentisch ist der für mich nicht.“ In der Diskussion mit dem Publikum wurde dann die halbe Landtagspolitik durchdekliniert, insbesondere die ländliche Regionen und deren Herausforderungen: Wohnungsmangel, Ärztedichte, Taktdichte von Bussen, die Abschiebung der Falschen, das Gelingen der Energiewende und das Fehlen von Windrädern.

Am Schluss verriet Rosenmüller noch: „Die SPD war und ist Heimat für mich: Die Solidarität, das Frauenbild und die „Freunde der Demokratie“. Schmidt-Völlmecke verabschiedet nach lebhafter Diskussion das Publikum: „Geht wählen, Demokratie ist nichts Selbstverständliches.“

Zitate:

 Soo christlich bin ich ja auch nicht, aber das „C“ in der CSU, das ist heute falsch. Mich wundert, dass die noch nicht angezeigt worden sind. (M. Rosenmüller)

 Die Sprache des Wassers: Flut, Welle, Dammbruch … Das macht Angst. Die CSU benutzt das in der Asyl- und Flüchtlingsdebatte sehr bewußt. (N. Kohnen)

 Bei Festivals ... war ich dann viel mit Ausländern zusammen, mit Rumänen, mit Russen, mit Israelis, ... Und ich habe gelernt: Dein Vorurteil wird nie zutreffen. (M. Rosenmüller)

 Wenn Seehofer sagt:  "Die Migrationsfrage ist die Mutter aller politischen Probleme", dann rollt er mit dieser Sprache den Rechtsradikalen den roten Teppich aus. (N. Kohnen)

 Man sagt heute: Es geht uns gut. Was heißt das? Uns geht es so gut, weil wir viel Geld haben – und diese Auffassung ist falsch! (M. Rosenmüller)

 Viele Dinge, wie bezahlbaren Wohnraum, Gesundheitssystem, … das macht nicht der Markt. Wenn wir den Sozialstaat wollen, das macht nicht der Markt. (N. Kohnen)

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